Nach einer überragenden Anfangsphase, einer zwischenzeitlichen Neun-Tore-Führung und einem zunehmend hitzigen Spielverlauf konnten unsere Herren am Samstagabend beim VfL Rastede einen wichtigen 39:37-Auswärtssieg feiern. Dabei zeigte die Mannschaft phasenweise hervorragenden Handball, machte sich das Leben durch fehlende Konzentration und unnötige Zeitstrafen allerdings selbst schwer.
Nach dem deutlichen Auswärtserfolg in Bookholzberg wollten wir auch beim VfL Rastede an unsere guten Leistungen anknüpfen. Der Plan war dabei klar: Mit einer kompakten und aggressiven Abwehr wollten wir von Beginn an die Kontrolle übernehmen und uns, wie bereits mehrfach in dieser Saison, frühzeitig einen Vorsprung erarbeiten.
Überragender Start bringt deutliche Führung
Die Mannschaft setzte diesen Plan zunächst nahezu perfekt um. Unsere Defensive stand von der ersten Minute an hervorragend und ließ den Gastgebern kaum einfache Möglichkeiten. Was dennoch auf unser Tor kam, war häufig eine sichere Beute von Moritz Meyer.
Moritz erwischte einen überragenden Start und war mit zahlreichen Paraden maßgeblich daran beteiligt, dass wir uns schnell absetzen konnten. Gleichzeitig nutzten wir die Ballgewinne und gehaltenen Würfe, um im Angriff immer wieder zu schnellen Torerfolgen zu kommen.
Bereits nach knapp vier Minuten führten wir mit 3:0. Auch in der Folge blieb unsere Mannschaft klar spielbestimmend. Über 7:2 und 11:5 bauten wir den Vorsprung kontinuierlich aus. Als Kevin Pintscher nach gut 17 Minuten zum 14:5 traf, hatten wir uns bereits eine beeindruckende Neun-Tore-Führung erspielt.
Bis zu diesem Zeitpunkt funktionierte nahezu alles, was wir uns vorgenommen hatten. Die Abwehr arbeitete geschlossen, Moritz war im Tor ein starker Rückhalt und im Angriff fanden wir immer wieder schnelle und erfolgreiche Lösungen.
Hitzige Partie bringt uns aus dem Rhythmus
Im weiteren Verlauf wurde die Begegnung allerdings zunehmend hektischer. Die Gastgeber gingen nun deutlich härter zur Sache. Besonders zwei Aktionen gegen Ben Pfeiffer und Fynn Jensen, die bei Gegenstößen gefoult wurden, sorgten für Unruhe. Beide Fouls wurden mit einer roten Karte bestraft.
Aus unserer Sicht waren diese Aktionen völlig unnötig. Umso glücklicher können wir sein, dass sich bei den Fouls niemand verletzt hat.
Die zunehmende Härte übertrug sich jedoch auf das gesamte Spielgeschehen. Anstatt weiterhin konzentriert unseren Handball zu spielen, ließen wir uns von der aufgeheizten Atmosphäre anstecken.
Die Folge war ein deutlicher Leistungsabfall. In der Defensive fehlte plötzlich die zuvor vorhandene Konsequenz und Abstimmung. Gleichzeitig schlichen sich im Angriff technische Fehler ein, die Rastede immer wieder zu einfachen Toren verhalfen.
Die Gastgeber nutzten diese Phase konsequent und verkürzten unseren Vorsprung Tor um Tor. Aus der komfortablen 14:5-Führung wurde innerhalb weniger Minuten ein deutlich engeres Spiel. Beim 14:13 war Rastede bereits wieder bis auf einen Treffer herangekommen.
In der Schlussphase der ersten Halbzeit gelang es uns zumindest, wieder etwas mehr Stabilität zu finden. Mit einer 18:16-Führung gingen wir schließlich in die Kabine.
Angesichts unserer überragenden Anfangsphase war dieser knappe Vorsprung natürlich ärgerlich. Gleichzeitig hatten wir weiterhin alle Möglichkeiten, das Spiel wieder unter Kontrolle zu bekommen.
Nach der Pause zunächst wieder voll da
Die Halbzeitpause nutzten wir, um uns zu sammeln und den Fokus wieder auf unser eigenes Spiel zu richten. Insbesondere die Defensive sollte wieder so funktionieren wie in den ersten 20 Minuten.
Das gelang uns zunächst hervorragend.
Mit Leon Saage, der zur zweiten Halbzeit für Moritz Meyer ins Tor kam, starteten wir erneut konzentriert. Die Abwehr stand wieder deutlich kompakter und wir konnten uns durch Ballgewinne und schnelle Angriffe erneut absetzen.
Aus der 18:16-Halbzeitführung machten wir innerhalb weniger Minuten ein 23:17. Damit hatten wir uns wieder einen komfortablen Vorsprung erarbeitet und schienen die Partie erneut im Griff zu haben.
Doch leider gelang es uns auch diesmal nicht, dieses Niveau dauerhaft aufrechtzuerhalten.
Unnötige Zeitstrafen machen die Schlussphase spannend
Wie bereits in der ersten Halbzeit verloren wir nach unserer starken Phase zunehmend die Kontrolle über das Spiel.
Diesmal waren es vor allem unnötige Zeitstrafen, mit denen wir uns selbst das Leben schwer machten. Insgesamt mussten wir im Laufe der Partie achtmal für zwei Minuten in Unterzahl spielen.
Dadurch wurde es immer schwieriger, unsere kompakte Defensive aufrechtzuerhalten. Rastede nutzte die Überzahlsituationen und kämpfte sich erneut heran.
Während wir zwischenzeitlich noch mit 26:20 führten, schmolz unser Vorsprung immer weiter zusammen. In der 53. Minute gelang den Gastgebern beim 30:30 schließlich der Ausgleich. Wenig später ging Rastede sogar mit 31:30 in Führung.
Doch unsere Mannschaft zeigte in dieser schwierigen Phase eine wichtige Eigenschaft: Sie ließ sich nicht unterkriegen.
Anstatt nach dem zwischenzeitlichen Rückstand auseinanderzufallen, fanden wir im Angriff wieder die passenden Antworten. Vor allem Ben Pfeiffer übernahm in der Schlussphase Verantwortung und erzielte mehrere wichtige Treffer.
Beim 34:34 knapp zwei Minuten vor dem Ende war die Partie weiterhin völlig offen. Anschließend brachten uns Ben Pfeiffer und Rafael Steffens mit zwei Treffern wieder in Führung.
Auch die letzten Sekunden blieben spannend. Doch wir behielten im Angriff die Nerven und konnten unseren Vorsprung schließlich über die Zeit bringen.
Am Ende stand ein hart erkämpfter 39:37-Auswärtssieg.
Starke individuelle Leistungen und wichtige Erkenntnisse
Ein Blick auf unsere eigene Statistik zeigt einige besonders erfreuliche Leistungen.
Allen voran überzeugte Ben Pfeiffer, der mit zehn Treffern nicht nur unser erfolgreichster Torschütze war, sondern auch eine herausragende Wurfquote von 90,9 Prozent erreichte. Besonders in der entscheidenden Schlussphase war er ein wichtiger Faktor.
Auch Fynn Jensen zeigte mit sechs Toren und vier Assists eine starke Leistung. Ben Wicknig steuerte fünf Treffer bei, während Florian Fronz und Henrik Puvogel jeweils viermal erfolgreich waren.
Henrik überzeugte darüber hinaus erneut als Vorbereiter und kam auf sechs Assists. Auch Ben Pfeiffer mit drei und Fynn Jensen mit vier Torvorlagen trugen dazu bei, dass wir im Angriff immer wieder Lösungen fanden.
Besonders hervorzuheben ist zudem die Leistung von Moritz Meyer in der ersten Halbzeit. Er kam auf insgesamt 13 Paraden und eine starke Quote von 44,8 Prozent. Vor allem in unserer überragenden Anfangsphase war er mit zahlreichen gehaltenen Bällen einer der entscheidenden Faktoren für die deutliche Führung.
Leon Saage übernahm in der zweiten Halbzeit und konnte ebenfalls wichtige Bälle entschärfen. Insgesamt kamen unsere Torhüter auf 19 Paraden.
Zwei Punkte trotz unnötiger Schwierigkeiten
Unter dem Strich nehmen wir zwei wichtige Punkte aus Rastede mit. Dabei haben wir erneut gezeigt, zu welchen Leistungen wir in der Lage sind, wenn wir konzentriert und geschlossen auftreten.
Sowohl zu Beginn der ersten als auch der zweiten Halbzeit funktionierte unser Spiel hervorragend. Die Abwehr stand sicher, die Torhüter waren zur Stelle und im Angriff kamen wir immer wieder zu schnellen Torerfolgen.
Gleichzeitig müssen wir uns kritisch damit auseinandersetzen, warum wir nach diesen starken Phasen jeweils so deutlich nachgelassen haben. Besonders die fehlende Konzentration und die zahlreichen unnötigen Zeitstrafen haben dafür gesorgt, dass wir eine eigentlich bereits kontrollierte Partie noch einmal spannend gemacht haben.
Positiv bleibt allerdings, dass die Mannschaft auch nach dem zwischenzeitlichen Rückstand in der Schlussphase nicht aufgegeben und sich den Sieg zurückgeholt hat.
Am Ende zählen die zwei Punkte – und die Erkenntnis, dass wir unser starkes Niveau künftig über einen längeren Zeitraum aufrechterhalten müssen.